Einige Gedanken zur "besonderen" Gefahr des Speedfliegens

© Dr. Ralph Okon 08.02.2015

(noch in Bearbeitung)

Natürlich ist das Speedfliegen gefährlich.

Den bisher gefährlichsten gesehenen Beinahetreffer beim Speedfliegen gab es mit einem Speedheli bei den Weltrekordversuchen 2013.
Weder der sehr erfahrene Pilot noch sein Caller waren in der Lage, in irgend einer Form zu reagieren, als das zu diesem Zeitpunkt > 200km/h schnelle Modell unmittelbar vor ihnen einschlug.

Der Heli kam von rechts - der Pilot und sein caller schauen noch immer geradeaus bzw. nach rechts, obwohl der Heli bereits 4m links von ihnen zu sehen ist.
Die Rotorblätter markieren in etwa den Aufschlagpunkt.
Das Modell befindet sich bereits an einer ganz anderen Position, als das Hirn des Piloten und seines Helfers es zu sehen vermeint.
Das ist keine wirklich neue Erkenntnis. Bei Jagdfliegern im high-speed Tiefflug tritt der gleiche Effekt auf.

 

Aber entgegen den landläufigen Meinungen ist das High-spped Fliegen trotzdem nicht viel gefährlicher, als das Modellfliegen an sich.
Um das zu Erkennen, braucht man nur die für verschiedene Modellflugsparten üblichen Fluggeschwindigkeiten in Fallhöhen umzurechnen.
Dazu bedarf es nur einer einzigen Formel.
Sie lautet (unter Vernachlässigung des Luftwiderstandes):

Stellt diese Formel um, kann man die einer bestimmten Geschwindigkeit zuzuordnende Vergleichsfallhöhe bestimmen.

Um die Aufschlagenergie zu bestimmen, muß man nur die Masse des Modells kennen.
Diese errechnet sich wie folgt:

W = m x g x h

Bei 3kg und 400km/h hat man also ca. 18,5kJ an Energie.
Das ist sogar mehr als die auch für weitreichende Scharfschützengewehre eingesetzte Nato-Standardmunition 12,7 x 99 mm (eigentlich für schwere Maschinengewehre bestimmt) hergibt. Ein Helm bzw. eine Weste helfen da maximal gegen Splitter und Querschläger!
Bei einem Großspeeder mit 5kg und 500km/h ist mit Energien im Bereich von Geschossen von 20mm Maschinenkanonen zu rechnen (ca. 50kJ). Solche Geschosse sind auf mittlere Distanz panzerbrechend....

Die Ergebnisse in der Tabelle sind evtl. auf den ersten Blick überraschend, erklären aber gut diverse (tödliche) Unfälle mit "normalen" bzw. langsam fliegenden Flugmodellen.
Bereits im Flug eines Segelflugmodelles ist jede Menge Energie gespeichert.
Bei nur 7m/s = 25km/h Fluggeschwindigkeit entspricht die Aufschlagaufschlagenergie der eines aus 2,50m Höhe fallengelassenen Gegenstandes gleicher Masse.
Es ist wohl ziemlich unstrittig, dass ein aus dieser Höhe fallender 1kg-Hammer schwerste Verletzungen verursacht.
Spätestens bei Fluggeschwindigkeiten von 14m/s = 50km/h entsprechend 10m Vergleichsfallhöhe und einem Gewicht von >1kg sind tödliche Verletzungen zu erwarten.
Das ist der Geschwindigkeitsbereich einer normalen motorisierten Schaumwaffel oder eines Balsaflugzeuges! Der Motor vorne dran ist dabei das Geschoß, der Schaum dahinter nur der für die Gefahrenbetrachtung völlig unwesentliche Ballast!

Die errechneten Daten erklären zugleich sehr gut die bei nahezu senkrechten High-Speed Abstürzen von Speedmodellen gefundenen extremen "Einschlagtiefen" von bis zu 60cm (Rumpfspitze / Motor) in normalem Boden. Die von einem 2-3kg schweren Modell bei einem Aufschlag jenseits der 400km/h umgesetzte Energie entspricht der einer großkalibrigen Handfeuerwaffe!

Klingt alles ziemlic gefährlich.
Nun muss sich aber darüber im klaren sein, dass eine weitere Steigerung von "tot" bzw. "tödlich" objektiv nicht möglichist.
Zwar wird sich der visuelle Zustand des getroffenen Lebewesens mit höherer Geschwindigkeit immer weiter verschlechtern, was aber am eingetretenen wesentlichen Ergebnis nix mehr ändert.
Ist wie beim Autounfall: wird ein Fussgänger mit 180km/h getroffen, ist das für ihn im Ergebnis nicht schlimmer, als wäre er mit 80km/h getroffen worden.
Lediglich das Einsammeln der Teile wird deutlich länger dauern.....
Und so es spielt an diese Stelle keine Rolle mehr, ob man von einem ein schwereren oder eben einem schnelleren Flugmodell getroffen wird.
Man braucht auch das zusätzliche Gefahrenpotenzial eines Motormodells (drehende Luftschraube, Massenkonzentration im Motor und seine Härte (nicht vorhandene Deformierbarkeit) nicht gesondert in Erwägung zu ziehen.

Etwas anders sieht es beim Drehflügler aus.
Der muss sich nicht mal vom Fleck bewegen, um zu töten.
Bei einem Speedheli der 600er bzw. 700er Größe reicht allein die Rotationsenergie der Rotorblätter locker aus, um tödliche Verletzungen zu setzen.
Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ein Heli gefährlicher ist: sein Bewegungsvektor ist deutlich unbestimmbarer.
Während ein Flächenmodell nur in gewissem Maße aus seiner Flugrichtung abweichen kann, hat der Drehflügler deutlich mehr Möglichkeiten.
Er kann sogar aus der Standschwebe (bei der sich die Rotorkreisebene in Körperhöhe befindet) bei einem Defekt unvermittelt rückwärts, seitwärts und nach unten/ oben ausbrechen.
Erschwerend kommt hier dazu, dass die bis zum Piloten zurückzulegende Distanz im Schwebezustand ziemlich klein ist.
Auch sehr erfahrene Helipiloten hatten keine Zeit mehr, zu Reagieren bzw, in irgend einer Form auszuweichen, bevor ihnen ihr eigenes "Spielzeug" ohne zusätzliche high-speed den Schädel gespalten hat!

 

Es ist wichtig, das objektiv vorhandene hohe Gefahrenpotenzial - nicht nur als Pilot oder Caller - niemals zu unterschätzen!
Neben der Eigenverantwortung des Piloten kommt hier dem Flugleiter ein hohes Maß an Verantwortung zu.
Seine Aufgabe ist es, unsicher fliegende Piloten unverzüglich aus dem Rennen zu nehmen.
Das bedeutet nicht, dass jeder, der mal einen "verunglückten", unsauberen Durchflug zeigt, sofort ausgeschlossen werden soll. Aber wenn das einige Male hintereinander passiert, sollte der allgemeinen Sicherheit Vorrang vor den Interessen des einzelnen Piloten ingeräumt werden.
- Ein großer Sicherheitsabstand und die Begrenzung der Personenzahl in der unmittelbaren Gefahrenzone auf das unbedingt nötige sind unumgänglich.
- Ein "Sicherheitszaun" schützt wenigstens bei verunglückten Landungen). "weiche" (frei hängende) Zäune haben eine bessere Energiaufzehr als starre. Zudem entstehen bei ihnen keine "Sekundärgeschosse".
- Ein Sicherheitszaun / Fangnetz wird erst wirksam, wenn dahinter(!) nochmals ein genügend großer Abstand bis zu etwaigen Zuschauern eingeplant wird.
- Ein Caller sollte als 2. Augenpaar bei jedem Flug (auch auf "einfachen" Speedtreffen ohne ausgefeiltes Reglement) zur Pflicht gemacht werden.

In der Summe bleibt: Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen".
Aber auch: Den, der sich der Gefahr nicht bewusst ist, kann es genauso treffen.

 

Fazit: das Speedfliegen ist keinesfalls gefährlicher, als der Betrieb anderer, "normaler" Flugmodelle!

 

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